Fachterminologie der Dramenanalyse

Akt  Der Akt ist nach dem Auftritt und der Szene die größte Gliederungseinheit im Drama und wird oft durch Öffnen und Schließen des Vorhangs markiert. Im klassischen Drama wird er durch jede vollständige Veränderung der Figurenkonstellation bestimmt.

Aktionaler Monolog  Der aktionale Monolog vollzieht mit dem Sprechen eine Handlung und verändert dadurch die Situation; in einem aktionalen Monolog sieht sich der Sprecher meist mit mehreren Handlungsmöglichkeiten konfrontiert und trifft unter ihnen seine Entscheidung (siehe Nicht-aktionaler Monolog).

Alternative Figuren  zwei oder mehr Figuren sind an keiner Figurenkonstellation gemeinsam beteiligt (siehe konkomitante Figuren).

Anagnorisis Anagnorisis (griech. Wiedererkennen) bezeichnet den "Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis, mit der Folge, dass Freundschaft oder Feindschaft eintritt, je nachdem die Beteiligten zu Glück oder Unglück bestimmt sind" (Aristoteles, Poetik, Kap. 11); sie ist die Erkenntnis der wahren, zuvor verkannten oder auch verstellten Identität einer Figur oder eines Sachverhalts durch eine weitere Figur (meistens Protagonist).

Analytisches Drama  Beim analytischen Drama (auch Enthüllungsdrama genannt) besteht das Handlungsgeschehen (im Gegensatz zum Zieldrama) im schrittweisen Aufdecken der zeitlich vor der Bühnenhandlung liegenden Sachverhalte.

Antagonist  Gegenspieler des Haupthelden (siehe Protagonist).

Aparte  Beiseite-Sprechen; entweder monologisch oder dialogisiert durch die Wendung "ad spectatores" (Regieanweisung), ein konspiratorisches Sprechen oder ein Sprechen in einer Belauschungssituation.

A-perspektivisches Drama  Im A-perspektivischen Drama wird die Möglichkeit der Vielfalt figuraler Sichtweisen eingeschränkt, um eindeutige auktoriale Wahrheiten zu vermitteln.

Auftritt  Der Auftritt ist die kleinste Gliederungseinheit im Drama. Er wird im klassischen Theater durch einen wenigstens teilweisen Wechsel der Figurenkonfiguration gekennzeichnet.

Ausstattungsstück  Bühnenstück, das vorwiegend durch Bühnenbild, Kostüme, Theatermaschinerie wirkt; v.a. beliebt am barocken Hoftheater.

Backstage Characters  Figuren, die nie auftreten, von denen aber geredet wird.

Bewegungsdrama  Im Bewegungsdrama werden viele Handlungsräume durchlaufen; es steht im krassen Gegensatz zur klassischen Einheit des Ortes.

Botenbericht  Im Botenbericht werden technisch schwer darstellbare oder nicht-schickliche Ereignisse auf der Bühne durch einen epischen Bericht vergegenwärtigt; hat oft auch zeitraffende Funktion.

Deux ex machina  Der Auftritt eines Deus ex machina (lat. Gott aus der [Theater-]Maschine) bezeichnet eine nicht aus dem Handlungsverlauf motivierte Lösung des dramatischen Knotens durch das unerwartete Eingreifen von Retterfiguren (meist einer Gottheit oder des absoluten Monarchen als deren säkularer Entsprechung). 

Dialog  (griech. dialogos = Gespräch) Wechselrede zwischen zwei oder mehr Dramenfiguren.

Dramatis Personae  (lat. die Personen eines Dramas) Figurenverzeichnis; Verzeichnis aller im Stück auftretenden Figuren, meist dem eigentlichen Theatertext vorangestellt; ständische oder sexualle Anordnungskriterien, in jüngerer Zeit meist Anordnung in der Reihenfolge des Auftretens im Stück; oft erste Figurencharakterisierung. 

Dramatische Ironie  Die dramatische Ironie (auch 'tragische Ironie' genannt) ergibt sich aus der Überlagerung von dramatischer Kommunikationsebene und theatralischer Kommunikationsebene. Sie tritt immer dann auf, wenn die sprachliche Äußerung (verbale dramatische Ironie) oder das außersprachliche Verhalten einer Figur (aktionale dramatische Ironie) für den Rezipienten aufgrund seiner überlegenen Informiertheit eine der Intention der Figur widersprechende Zusatzbedeutung erhält.

Dramatische Kommunikationsebene  Die dramatische Kommunikationsebene bezeichnet die Ebene der Interaktion der Figuren auf der Bühne untereinander (also nicht mit dem Publikum; siehe Theatralische Kommunikationsebene). 

Dramatischer Rhythmus  Tempovariationen als Über- und Unterschreiten eines mittleren Gleichmaßes der Bewegung (Rhythmus in der klassischen Tragödie etwa: zügiges Tempo bis zur zentralen Peripetie, darauf folgend eine ruhigere Phase der Reflexion, dann eine Beschleunigung auf die Katastrophe zu und endlich ein als Ruhepunkt wirkendes, standbildhaftes Schlusstableau).

Drei Einheiten  Einheit von Ort, Zeit und Handlung; Extremfall der geschlossenen Dramenform; leiten sich aus einer lapidaren Erwähnung in der Aristotelischen Poetik her und gehören v.a. seit dem Aristoteles-Kommentar L. Castelvetros (1576) zu den Grundforderungen für die Gattung Drama in den normativen Poetiken der (ital.) Renaissance, der (frz.) Klassik und dem (span.) "neoclasicismo" (Begründung: Prinzipien der Glaubwürdigkeit und der Vernunft); bei Aristoteles selbst ist jedoch nie von einer Einheit der Orts die Rede; auch die Einheit der Zeit wird bei ihm nur vorgeschlagen, die Beschränkung auf einen Sonnenumlauf soll dabei nur der Einheit der Handlung dienen, die die einzige tatsächlich bei Aristoteles angelegte Einheit darstellt.

Einheit des Ortes  Die Einheit des Ortes verlangt eine Unverrückbarkeit des Schauplatzes einer dramatischen Handlung (es kommt somit zu keinem Szenenwechsel).

Einheit der Zeit  Die Einheit der Zeit verlangt eine größtmögliche Kongruenz von Spielzeit und gespielter Zeit; maximal darf die gespielte Zeit jedoch nur 24 Stunden umfassen.

Einheit der Handlung  Die Einheit der Handlung verlangt Geschlossenheit und Konzentration der dramatischen Handlung durch strenge Funktionalität der Teile (keine Episoden oder Nebenhandlungen, die nicht mit der Haupthandlung kausal verknüpft sind; keine Nebenpersonen)

Enjambement  Übergriefen einer syntaktischen bzw. gedanklichen Einheit über das Versende hinaus. Insbesondere der im Drama verwendete Blankvers kennt den Zeilensprung, wie das Enjambement auch genannt wird.

Epilog  Der Epilog (griech. epilogos = Schlussrede) ist ein deutlich vom fiktionalen Geschehen der Haupthandlung abgesetzter, oft fiktionsexterner Abschluss eines Dramas; häufig die von einem eigens dafür eingesetzten Sprecher ans Publikum gerichtete Bitte um Beifall oder Nachsicht.

Episches Theater  v.a. von Bretolt Brecht entwickelte Theaterform, die bricht mit der oft über mitleidende Identifizierung erreichten dramatische Illusionsbildung des 'bürgerlichen Theaters', indem Verfremdungs-Effekte und andere Verfahren eingesetzt werden; Theater als moralische Anstalt, aber nicht mehr im idealistischen, sondern offen ideologischen Sinn einer Parteiergreifung gegen dargestellte Missverhältnisse.

Exposition  Die Exposition (lat. exposition = Darlegung) ist der erste Teil einer dramatischen Handlung (im klassischen Theater 1. Akt); Darlegung der Verhältnisse und Zustände, denen der dramatischen Konflikt entspringt und deren Ursachen oft zeitlich vor dem Aufgehen des Vorhangs liegen; somit privilegierter Ort narrativer Vermittlung: hier wird die Handlung bis an den Punkt herangeführt , an dem sodann das eigentlich zu zeigende Spiel beginnt (siehe Point of Attack); zur Spannungssteigerung aber oft Verzögerung der Informationvergabe bis gegen Ende, statt alle zum Verständnis notwendige Information blockhaft in der Exposition zu vermitteln.

Fallhöhe  Die Fallhöhe ist eine Dramenkonvention, nach der der tragische Fall eines Helden, sein Absturz aus hohem Glück in tiefes Unglück desto tiefer empfunden werde, je höher dessen sozialer Rang sei (siehe Ständeklausel). Diese Konvention herrschte bis ca. zur Mitte des 18. Jahrhunderts vor.

Figurencharakterisierung  Arten und Techniken, wie die Figuren während des Dramas durch verbale Äußerungen sowie durch Handlungen charakterisiert werden. Siehe dazu das Dokument "Figurencharakterisierung" (nach Pfister).

Figurenkonfiguration  Die Figurenkonfiguration ist die Teilmenge des Bühnenpersonals, die jeweils an einem bestimmten Punkt des Textverlaufs auf der Bühne präsent ist.

Figurenkonstellation  Dynamische Interaktionsstrukturen, die zwischen dem Bühnenpersonal herrschen.

Figurenkonzeption  das anthropologische Modell, das der dramatischen Figur zugrunde liegt, und die Konventionen seiner Fiktionalisierung (statische vs. dynamische Figur; flat character vs. round character; Personifikation/Typ/Individuum).

Fünf-Akt-Schema  Schema von Gustav Freytag von 1863, das einen 'pyramidalen Bau' des Dramas beschreibt:
1. Akt, Exposition: Der Zuschauer wird eingeführt in Zeit, Ort, Atmosphäre der Handlung; er lernt die für die Handlung wichtigen Personen (direkt oder indirekt) kennen; der Konflikt zeichnet sich ab.
2. Akt, Steigende Handlung mit erregendem Moment: Die Handlung erhält den entscheidenden Anschub: Interessen stoßen aufeinander, Intrigen werden gesponnen, der Ablauf des Geschehens beschleunigt sich in eine bestimmte Richtung; es steigt die Spannung auf den weiteren Verlauf der Handlung.
3. Akt, Klimax (Höhepunkt) und Peripetie (Wendepunkt): Die Entwicklung des Konflikts erreicht ihren Höhepunkt: Das Schicksal des Helden, der Heldin entscheidet sich; der Wendepunkt (Peripetie) zu Sieg oder Niederlage wird herbeigeführt.
4. Akt, Fallende Handlung mit retardierendem Moment: Die Handlung fällt jetzt auf das Ende zu; die Spannung wird noch einmal gesteigert, indem die Handlung im retardierenden Moment verzögert wird: der Held, die Heldin scheint doch noch gerettet zu werden.
5. Akt, Katastrophe: Die Lösung des Konflikts mit dem Untergang, dem Tod des Helden, der Heldin.

Geschlossenes Drama  Die Bezeichnung geschlossenes Drama wird als dramenanalytische Unterscheidung zum offenen Drama verwendet: sie bezeichnet eine Form des Dramas, die gekennzeichnet ist von einer szenischen Vermittlung eines Geschehens als geschlossenes Ganzes, d.h. als enger funktionaler Zusammenhang aller Teile der dramatischen Sukzession.

Geschlossene Perspektivenstruktur  Nebeneinanderstellung verschiedener figuraler Perspektiven oder Einschätzungen. Diese verschiedenen Perspektiven werden schließlich explitiz auktorial (durch die Privilegierung einer Sicht) oder implizit auktorial (als zu erschließende 'Resultante' aller Figurenperspektiven) miteinander versöhnt.

Gespielte Zeit  Zeit auf der Inhaltsebene; zu unterscheiden ist zwischen der fiktive Zeitdauer, die unmittelbar szenisch präsentiert wird und der fiktiven Zeitdauer der Geschichte vom Beginn der nur verbal vermittelten Vorgeschichte bis zum Zeitpunkt des Textendes bzw. bis zum spätesten Zeitpunkt, der in zukunftsgewissem Ausblick am Textende noch verbal thematisiert wird.

Hamartia  Eine Hamartia (griech. Irrtum, Verfehlung) ist ein Fehler, der zur dramatischen Verwicklung der Handlung führt (vgl. Aristoteles, Poetik, Kap. 13); dabei ist die Hamartia nicht eine ethisch-sittliche Schuld, sondern das tragische Versagen eines ansonsten ethisch guten (im Vergleich zum Zuschauer bei Aristoteles sogar 'besseren') Helden, das aus der Fehleinschätzung einer Situation hervorgeht.

Haupttext  Der Haupttext umfasst alle Figurenrepliken, aber keine anderen Textelemente (also keine Regieanweisungen etc.) (siehe Nebentext).

Illusionsstiftung im Drama In der Aufführung wird die Betonung auf die dramatische Kommuniktion gelegt: Es wird vor allem die Konfliktsituation bzw. Handlung zwischen den Figuren des Dramas gezeigt, ohne dass eine Interaktion mit dem Publikum gesucht wird. Damit soll in dieser Form des Dramas die Illusion gestiftet werden, man sehe als Zuschauer einer sich abspielenden Handlung zu.

Illusionsbrechung im Drama In der Aufführung wird die Betonung auf die theatralische Kommunikation gelegt: Es geht vor allem um die Interaktion zwischen Schauspieler und Publikum, das angesprochen werden soll. Damit soll in dieser Form des Dramas die Illusion, man sehe als Zuschauer einer sich abspielenden Handlung zu, durchbrochen werden.

Intrige  Intrige (lat. intricare = verwickeln, verwirren) ist die dramaturgische Bezeichnung für das eine Handlung begründende Komplott, mit dem sich ein Teil der Dramenfiguren gegen einen anderen verschwört.

Katastrophe  (griech. Wendung, Umkehr, Ausgang) letzter Teil des Dramas (im klassischen Theater der 5. Akt), in dem der dramatische Konflikt seine Lösung findet; in der klassischen Tragödie zwar der schlimme Ausgang (traditionell durch den Tod mindestens eines der positiven Protagonisten bestimmt), aber grundsätzlich jeder, nicht nur der tragische Ausgang eines Konflikts.

Katharsis  Katharsis (griech. Reinigung) gilt als Zentralbegriff der Tragödientheorie: nach Aristoteles (Poetik, Kap. 6) bewirkt die Tragödie beim Zuschauer eine "Reinigung" (katharsis) durch "Jammer und Schaudern" (griech. eleos und phobos) von "eben derartigen Affekten"; somit ist die Katharsis nahezu psychotherapeutisch als Affektentladung zu verstehen, als Abfuhr von Emotionen durch den Mitvollzug des fiktionalen Geschehens einer Tragödie.

Kommunikationsebenen des Dramas Bezeichnung für die drei verschiedenen Ebenen, die im und rund um das Drama betont werden können: Dramatische Kommunikationsebene (= Betonung liegt auf der Interaktion zwischen den Figuren auf der Bühne) Theatralische Kommunikationsebene (= Betonung liegt auf der Interaktion zwischen bühnengeschehen und Zuschauerschaft) und Lebensweltliche Kommunikationsebene (= Betonung liegt auf der realen gesellschaftlichen Kommunikation über die Inszenierung des Dramas). Die drei Kommunikationsebenen können sich überlagern und auch miteinander verknüpft werden.

Komödie  Bühnenwerk heiteren oder komischen Inhalts mit glücklichem Ausgang und bis ins 18. Jahrhundert hinein mit Figuren niederen Standes (siehe Ständeklausel).

Konkomitante Figuren  zwei oder mehr Figuren treten immer gemeinsam auf (siehe alternative Figuren).

Lebensweltliche Kommunikationsebene  Die lebensweltliche Kommunikationseben bezeichnet die Ebene der gesellschaftlichen Kommunikation über die Inszenierung und deren Bezug auf lebensweltliche Normen.

Monolog  Ein Monolog (griech. Alleinrede) ist ein Selbstgespräch einer Figur auf der Bühne, die sich weder an andere Bühnenfiguren noch an das Publikum richtet; hat aber dennoch auf der theatralischen Kommunikationsebene eine wichtige Mitteilungsfunktion für den Zuschauer.

Nebentext  Der Nebentext bezeichnet im Unterschied zum Haupttext alle Textelemente, die keine Figurenrepliken sind, also der nicht gesprochene Text (v.a. Titel, Figurenverzeichnis, Akt-/Szenenangaben etc. und der oft große Bereich der Regieanweisungen [Hinweise zu Ort, Zeit, Figurencharakteristik, Tonalität, Gestik, nichtverbaler Handlung]).

Nicht-aktionaler Monolog  informierend und kommentierend; vermittelt zwar Handlung, aber vollzieht kein unmittelbar situationsveränderndes Handeln (siehe aktionaler Monolog).

Non-verbale Theatercodes  Non-verbale Theatercodes sind Mitteilungsformen im Theater, die nicht über das Textsubstrat funktionieren; man unterscheidet zwischen figurenbezogenen und raumbezogenen non-verbale Codes: Die figurenbezogenen Codes sind der verstimentäre Code (Kostüme), der kosmetische Code (Maske), der proxemische Code (Raumausnutzung: Distanz vs. Nähe) sowie der kinetische Code (Gestik, Mimik, Bewegung). Die raumbezogenen Codes betreffen v.a. den architektonischen Entwurf und die Ausgestaltung der Bühne, die Beleuchtungstechnik, die Verwendung von Requisiten und den Einsatz von Geräuschen und Musik.

Offenes Drama Die Bezeichnung offenes Drama wird als dramenanalytische Unterscheidung zum geschlossenen Drama verwendet: sie bezeichnet eine Form des Dramas, die gekennzeichnet ist von einer szenischen Vermittlung eines Geschehens als Abfolge von selbständigen, räumlich und zeitlich voneinander getrennten Einzelgegebenheiten (Stationentechnik, vgl. Stationendrama), die zu einer Diskontinuität der Szenenfolge führt (so dass in der dramatischen Sukzession einzelne Abschnitte auch ohne gravierende Folgen weggelassen, ausgetauscht oder verschoben werden können).

Offene Handlung  Präsentation der Handlung durch szenisches Zeigen.

Offene Perspektivenstruktur  betont die Ambivalenz der Vielfalt; keiner der unterschiedlichen figuralen Einschätzungen wird privilegiert.

Off-Stage  Ort, an dem sich – simultan zur szenisch präsentierten Handlung – die räumlich verdeckte Handlung abspielt; wird vorwiegend über akustische Merkmale (Geräusche, die aus dem Bühnenhintergrund kommen) oder gestische Verweise bzw. auch den Haupttext markiert (siehe Teichoskopie).

Parabase  illusionsbrechende Hinwendung von Bühnenfiguren zum Publikum; Ursprünge in der altattischen Komödie als Stellungnahme von Chor oder Chorführer zu aktuellen politischen, sozialen oder kulturellen Ereignissen und Poblemen sowie zur Interpretation des dargestellen Stückes.

Pathos  in der Tragödientheorie der Teil des Dramas, der durch Tod der Protagonisten oder andere tief schmerzerfüllte Handlungselemente im Zuschauer die Affekte eleos und phobos (Jammer und Schaudern; v.a. im 18. Jh. auch übersetzt als Mitleid und Entsetzen) hervorrufen sollen.

Peripetie  Die Peripetie (griech. Umkehrung, Wendung) bezeichnet nach Aristoteles (Poetik, Kap. 11) den – meist plötzlich eintretenden – Umschlag der dramatischen Handlung (bei der Tragödie vom Glück ins Unglück des Helden); für die innere Entwicklung der Handlung bedeutet sie den Wendepunkt, an dem dem Helden die Möglichkeit freien Handelns entzogen wird und von dem an die Handlung (in ihrem 'fallenden' Teil) notwendig der Katastrophe zutreibt; die Peripetie ist v.a. dann besonders wirkungsvoll, wenn sie mit einer Anagnorisis verbunden ist; in der streng gebauten Tragödie aus 5 Akten findet sich die Peripetie am Schluss des 3. oder am Anfang des 4. Aktes.

Personal  die Summe der auftretenden Figuren.

Perspektivisches Drama  nutzt die Vielfalt figuraler Sichtweisen, um unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen, Normen und Werte zu entfalten.

Plurimedialität  Plurimedialität bezieht sich auf den dramatischen Text nicht als Textsubstrat, sondern als Aufführung; das plurimediale Ereignis der Aufführung bedient sich einer Vielzahl non-verbaler Codes zur Vermittlung seiner Inhalte; ist Gegenstand der theaterwissenschaftlichen Betrachtung (während sich die Literaturwissenschaft traditionell nur dem Textsubstrat widmet).

Poetische Gerechtigkeit  Belohnung der nonkonformen und Bestrafung der normverletzenden Figuren.

Point of Attack  Der Point of Attack markiert das Einsetzen der szenisch präsentierten Handlung.

Prolog  Der Prolog (griech. prologos = Vorrede, Vorspruch) ist eine deutlich vom fiktionalen Geschehen der Haupthandlung abgesetzte, oft fiktionsexterne Einleitung in ein Drama; häufig die von einem eigens dafür eingesetzten Sprecher ans Publikum gerichtete Begrüßung und Huldigung des Publikums oder die Selbstdeutung des folgenden Stücks; kann aber auch wie die Exposition eingesetzt werden und zur epischen Informationsvergabe nicht darstellbarer Ereignisse, die den Konflikt herbeigeführt haben, dienen.

Protagonist  In der griech. Tragödie ist der Protagonist der erste Schauspieler, später allgemeiner die Hauptfigur einer Dramenhandlung; er oder sie hat eine zentrale Bedeutung für die Handlungsentwicklung (siehe Antagonist).

Pyramidiale Struktur siehe Fünf-Akt-Schema

Raumkonzeption  erstreckt sich von Neutralität über Stilisierung zur Konkretisierung.

Reale Spielzeit  Zeitdauer, die die szenische Präsentation des Textsubstrats beansprucht (unter Abzug der Pausen).

Retardierendes Moment Das retardierende Moment (frz. 'retarder' = verzögern) ist eine Szene im Handlungsverlauf eines Dramas, die die Höhepunktentscheidung hinauszögert, indem sie das Eintreten des Gegenteils des Erwarteten noch einmal sehr wahrscheinlich macht. Hier steigt die Spannung noch einmal an. In der Tragödie bezeichnet das retardierende Moment ein Ereignis, welches dazu führt, dass man die trügerische Hoffnung auf die (noch denkbare) Rettung des Helden erhält.

Ständeklausel  Die Ständeklausel ist eine Dramenkonvention, nach der in der Tragödie die tragischen Handlungsträger (zum Zweck der sog. Fallhöhe) nur von sozial hohem, die Träger komisch-lasterhafter Handlungen hingegen nur von sozial tieferem Stand sein durften. Diese Konvention stammt von einer einseitigen Aristoteles-Deutung von den Renaissance- und Barock-Poetiken und galt bis mindestens zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

Szene  Die Szene ist die mittlere Gliederungseinheit im Drama, die mehrere Auftritte zusammenfasst. Ihr Ende wird durch den Abgang aller Figuren und/oder die Unterbrechung der raum-zeitlichen Kontinuität markiert.

Teichoskopie  Teichoskopie (griech. Mauerschau) ist die epische Vermittlung eines außerhalb der Bühne gleichzeitig ablaufenden Geschehens (siehe Off-stage) durch eine Bühnenfigur (in modernen Stücken meist statt 'Mauer-' 'Fensterschau'); Funktion: siehe Botenbericht; beachte aber die notwendige Gleichzeitigkeit von Bericht in der Teichoskopie im Unterschied zum nachträglichen Bericht des Boten.

Textsubstrat  Haupttext + Nebentext.

Theatralische Kommunikationsebene  Die Theatralische Kommunikationsebene bezeichnet die Ebene der Kommunikation zwischen Schauspieler und Publikum (siehe Dramatische Kommunikationsebene).

Tragödie  Eine Tragödie (griech. tragodia = Bockgesang) ist ein Drama mit ernstem Inhalt und unglücklichem Ausgang; bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde es ausschließlich mit sozial hochstehendem Bühnenpersonal besetzt (siehe Ständeklausel und Fallhöhe).

Verdeckte Handlung  Präsentation der Handlung durch figurales Erzählen (siehe Exposition, Botenbericht, Teichoskopie).

Verfremdung  Eine Dramenhandlung wird durch unterbrechende Kommentare oder Lieder so modifiziert, dass der Zuschauer eine Distanz zum Stück und seinen Darstellern aufbauen kann. Das Konzept der Verfremdung wurde v.a. von Bertolt Brecht im epischen Theater konzipiert.

Zeilensprung siehe Enjambement.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Teil dieser Definitionen stammt aus: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Hg. von Günther und Irmgard Schweikle. 2. Aufl. Stuttgart: Metzler 1990 und Manfred Pfister: Das Drama. Theorie und Analyse. 8. Aufl. München (Fink) 1994.